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Reiner und Elisabeth Kunze Stiftung

Willkommen auf der Webseite von Reiner Kunze und der Reiner und Elisabeth Kunze Stiftung.

Titelmotiv: Heinz Stein: Illustration zu dem Gedicht "Von der Inspiration"

Reiner Kunze

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Lebenslauf

  • 16.8.33

    Kunze, Reiner, Dr. phil. h.c. Geb. 16.8.33 in Oelsnitz/Erzgeb. Bergarbeitersohn.

  • 1951-55

    Studium der Philosophie und Journalistik an der Universität Leipzig.

  • 1962

    Seit 1962 freiberufl. Schriftsteller.

  • 1976

    Ausschluß aus dem Schriftstellerverband der DDR.

  • 1988 / 89

    Gastdozentur für Poetik an den Universitäten München und Würzburg.

  • 2006

    Gründung der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung. Wohnort: Obernzell-Erlau b. Passau. www.reiner-kunze.com

Mitglied der Bayer. Akad. d. Schönen Künste, d. Dt. Akad. f. Sprache u. Dichtg., d. Freien Akad. d. Künste Rhein-Neckar u. des PEN-Zentrums deutschspr. Autoren im Ausland. Mitglied d. Akad. d. Künste Berlin. Gründungsmitglied d. Sächs. Akad. d. Künste. Ehrenmitgl. des Collegium europaeum Jenense d. Friedrich- Schiller-Universität Jena, des Sächs. Literaturrates, des Freien Dt. Autorenverbandes, des Ungarischen Schriftstellerverbandes, des Tschechischen PEN-Zentrums u. d. „Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt – Vereinigung zur Pflege der deutschen Sprache“. Schirmherr des Bernd-Markowsky-Bewaldungs-Projekts „Leben in verwüsteten Landschaften säen“, Portugal.

Reiner Kunze - Werke

sensible wege. Gedichte 1969
(Tb 1976; um frühe Gedichte erw. Neuausg. 1996)

  • Der Löwe Leopold. Fast Märchen, fast Geschichten. 1970
    (erw. Tb-Ausg. 1974, Neuausg. m. Ill. v. Karel Franta 1987, Tb-Neuausg. m. neuen Ill. v. Karel Franta 1995)
  • zimmerlautstärke. Gedichte 1972 (Tb 1977)
  • brief mit blauem siegel. Ged.-Auswahl. 1973
  • Die wunderbaren Jahre. Prosa, 1976 (Tb 1978)
  • Das Kätzchen. Verse f. Kinder m. Ill. v. Horst Sauerbruch. 1979
  • auf eigene hoffnung Gedichte. 1981 (Tb 1987)
  • Eine stadtbekannte Geschichte. Für Kinder, die schon wissen, was eine Umleitung ist. M. Ill. v. Werner Maurer. 1982
  • eines jeden einziges leben. Gedichte. 1986 (Tb 1994)
  • Das weiße Gedicht. Essays. 1989
  • Deckname „Lyrik“. Dokumentation. 1990
  • Wohin der Schlaf sich schlafen legt. Gedichte f. Kinder. M. Ill. v. Karel Franta 1991 (Tb m. neuer Ill. v. Karel Franta 1994)
  • Am Sonnenhang. Tagebuch eines Jahres. 1993 (Tb 1995)
  • Wo Freiheit ist… Gespräche 1977-1993. 1994
  • Steine und Lieder. Namibische Notizen und Fotos. 1996
  • Der Dichter Jan Skácel. Porträt. 1996
  • ein tag auf dieser erde. Gedichte. 1998 (Tb 2000)
  • Reiner Kunze, Peter Voß: Zeit für Gedichte?
    Fernsehgespräch, 2000
  • gedichte. Gesammelte Gedichte in einem Band.
    Biblioph. Dünndr.-Ausg., 2001
  • die großen spaziergänge. Gedichte aus vierzig Jahren,
    gelesen von Reiner Kunze, CD 2001
  • Der Kuß der Koi. Prosa und Fotos, 2002
  • Die Aura der Wörter. Denkschrift, 2002
    (Neuausgabe mit Zwischenbilanz 2004)
  • Reiner Kunze und Mireille Gansel: Die Chausseen der Dichter. Gespräch über Peter Huchel und die Poesie, 2004
  • Bleibt nur die eigne Stirn. Ausgewählte Reden, 2005
  • lindennacht. Gedichte, 2007
  • Mensch im Wort. Interview, 2008
  • Die Sprache, die die Sprache spricht. Rede, 2009
  • Was macht die Biene auf dem Meer?
    Gedichte f. Kinder. M. Ill. v. Horst Sauerbruch, 2011
  • Wenn wieder eine Wende kommt. Vortrag, 2011
  • Fern kann er nicht mehr sein. Drei Gedichte, 2013
  • Reden und Gedichte, 2014/2015. Sonderheft der Zeitschrift „europäische ideen“, London, 2015
  • Alle Kunst ist Menschenkunst. Druck für Freunde der Edition Toni Pongratz, 2015
  • Über sechzig fremdsprachl. Buchausgaben in dreißig Sprachen.Foto-Einzelausstellungen u.a. in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/M., Judenburg, Gotha, Landshut, Obernzell, Offenbach, Passau, Saint Malo u. Würzburg.

Reiner Kunze - Übersetzungen

  • Jan Skácel: Fährgeld für Charon. Gedichte 1967 (Neuausg. 1989)
  • wundklee. Gedichte 1982 (Tb mit einer Laudatio von Peter Handke, 1989)
  • Das blaueste Feuilleton. Prosa, 1989
  • Die letzte Fahrt mit der Lokalbahn. Prosa, 1991
  • Jaroslav Seifert: Erdlast. Gedichte, 1985
  • Milena Fucimanová: Schmerzstrauch. Poetische Prosa und Gedichte. 1997
  • Marie Skálová: Die Schuld der Unschuldigen. Lebenserinnerungen. (Gem. m. Elisabeth Kunze) 1999
  • Reiner Kunze: Wo wir zu Hause das Salz haben. Ges. Nachdichtungen aus versch. Sprachen in einem Bd. Biblioph. Dünndruckausg. 2003
  • Petr Hruška: Jarek anrufen. Gedichte, 2008
  • Für ein wenig Liebe. Zwölf slawische Liebesgedichte. 2015
  • Poesiealbum 325: Jan Skácel. Gedichte. Auswahl und Nachdichtung von Reiner Kunze. 2016

Reiner Kunze - Sekundärliteratur

  • Reiner Kunze – Materialien u. Dokumente. Hrsg. v. Jürgen P. Wallmann, 1977
  • Reiner Kunze – Werk und Wirkung. Hrsg. v. R. Wolff, 1983
  • H. Feldkamp: Sichtbar machen. Bild und Gedicht im Werk Reiner Kunzes. 1991
  • Herbert-und Elsbeth-Weichmann-Preis. o. Jahresang. [1991]
  • Hanns-Martin-Schleyer-Preis 1990 und 1991. 1991
  • Der Schriftsteller Reiner Kunze. Ein Film v. Siegrid Esslinger, BR, 1994
  • Sprachvertrauen und Erinnerung. Reden zur Ehrenpromotion v. Reiner Kunze an der TU Dresden. Hrsg. v. Walter Schmitz. 1994
  • Friedrich Hölderlin-Preis. Reden zur Preisverl. am 7. Juni 1999 [2000]
  • Volker Strebel: Reiner Kunzes Rezeption tschechischer Literatur. 2000
  • Reiner Kunze: Hans Sahl-Preisrede. Gem. m. Ulrich Schacht u. Joachim Walther, 2001
  • Christian Eger: Böhmische Dörfer. Poesie in politischer Landschaft: Sieben Variationen über den Dichter Reiner Kunze und Ohne Traumata kein Leben. Ein Gespräch mit Reiner Kunze. In: die horen, Nr. 210/2003
  • Das blaue Komma – Zu Reiner Kunzes Leben und Werk. Hrsg. Ulrich Zwiener u. Edwin Kratschmer, 2003
  • Reiner Kunze – ein deutsches Dichterschicksal. Ein Film v. Leonore Brandt, MDR, 2008
  • Christian Eger: Zivilität des Herzens. In: Palmbaum, 17. Jahr/2009/2. Heft, Jena
  • Young-Ae Chon: „im lied jedoch“ – in der globalisierten Welt. Zu den Korea-Gedichten Reiner Kunzes. In: Neue Rundschau, 120. Jahrg. 2009, Heft 3, Frankfurt a. M.
  • Martin Schramm: Dichter unter Druck – Reiner Kunzes leiser Widerstand. BR 2, Erstsendung 21.01.2010
  • Niels Beintker: Auf sensiblen Wegen – Reiner Kunzes poetische Vermessungen des Donautals BR 2, Erstsendung 03.07.2010
  • Dichter dulden keine Diktatoren neben sich. Lesebuch, hrsg. v. Matthias Buth u. Günter Kunert, 2013
  • Udo Scheer: Reiner Kunze/Dichter sein, Biographie, 2013
  • Christiane Baumann/Gerrit Ebneter: Frage und Antwort. Der Lyriker Reiner Kunze im Interview. Interview-Film, 2013
  • Peter Voß/Reiner Kunze: Wie schwer fällt der aufrechte Gang? Fernsehgespr., 2013
  • Reiner Kunze 80. In: europäische ideen, Heft 155/2013
  • Gottfried Meinhold: Die poetische Kraft der Belebung. In: Kulturreport, 3/2013
  • Udo Scheer: Vom Glück, ein unbequemer Dichter zu sein. In: Mut, Nr. 548/Sept. 2013
  • Christoph Meissner-Spannaus: Ach, dass ich nicht in Grau versinke. In: Poetische Theorie 11/2013
  • Benedikt Maria Trappen: Das Wort nach innen genäht. In: Aufgang. Jahrbuch für Denken, Dichten, Musik, 10/2013
  • Roman Kopřiva: Internationalismus der Dichter, 2014

Reiner Kunze

  • 1968 Übersetzerpreis des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes
  • 1971 Deutscher Jugendbuchpreis
  • 1973 Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste u. Mölle-Literaturpreis, Schweden
  • 1977 Georg Trakl-Preis, Österreich, Andreas Gryphius-Preis u. Georg Büchner-Preis
  • 1979 Bayerischer Filmpreis (Drehbuch)
  • 1981 Geschwister Scholl-Preis
  • 1984 Eichendorff Literaturpreis u. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 1988 Bayerischer Verdienstorden
  • 1989 Kulturpreis Ostbayerns
  • 1990 Herbert und Elsbeth Weichmann-Preis u. Hanns Martin Schleyer-Preis
  • 1993 Großes Bundesverdienstkreuz, Kulturpreis deutscher Freimaurer u. Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden
  • 1995 Ehrenbürgerschaft der Stadt Greiz u. Kulturpreis des Landkreises Passau
  • 1997 Weilheimer Literaturpreis
  • 1998 Europa-Preis für Poesie, Serbien
  • 1999 Friedrich Hölderlin-Preis
  • 2000 Christian Ferber-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung
  • 2001 Hans Sahl-Literaturpreis u. Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst

Auszeichnungen

  • 2002 Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung, Prag u. Berlin, und Sprachwahrer des Jahres d. „Deutschen Sprachwelt“
  • 2003 Ján Smrek-Preis, Slowakei, u. Ehrenbürgerschaft der Stadt Oelsnitz/Erzgeb.
  • 2004 STAB-Preis der Stiftung für Abendländische Besinnung, Schweiz, u. Übersetzerpreis „Premia Bohemica“ d. Gemeinschaft d. Schriftsteller Tschechiens
  • 2006 Ehrengast des Heinrich-Heine-Hauses Lüneburg
  • 2008 Preis d. Weidener Literaturtage u. Thüringer Verdienstorden.
  • 2009 Verleihung des Memminger Freiheitspreises 1525
  • 2009 Thüringer Literaturpreis
  • 2011 Ehrenbürgerrecht des Marktes Obernzell
  • 2012 Verdienstorden des Freistaates Sachsen
  • 2013 Robert-Schuman-Medaille der Frakt. der Europ. Volkspartei (Christdemokraten) im europäischen Parlament, America Award for a lifetime contribution to international writing u. Südmährenpreis für die Verbreitung des guten Namens und Ruhmes Südmährens im Ausland und für Bürgermut bei der Verteidigung der Menschenrechte und der Werte von Schönheit und Freiheit.
  • 2014 Gratias agit-Preis der Republik Tschechien
  • 2014 Hohenschönhausen – Preis
  • 2015 Franz Josef Strauß - Preis

Stellungnahme

Stellungnahme zu Medienbeiträgen anläßlich meines 80. Geburtstages

Als nach Kriegsende im Klassenzimmer der Volksschule das Hitlerbild abgenommen und das Stalinbild aufgehängt wurde, war ich 13 Jahre alt. Stalin war der Befreier und galt für uns von nun an als Inbegriff des Fortschritts auf der Erde. Ich glaubte meinen Lehrem aufrichtig und folgte ihnen mit Eifer. Bereits als Oberschüler empörte ich mich jedoch dagegen, daß bei den Volkskammerwahlen 1950 in den Wahlkabinen kein Bleistift auslag, und der Rektor, ein ehemaliger Sozialdemokrat, empörte sich mit mir und wurde gemaßregelt. Daß das etwas mit Stalin zu tun haben könnte, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Während des Studiums protestierte ich wiederholt gegen Maßnahmen, die ich später als „stalinistisch“ identifizierte, damals aber lediglich dem Dogmatismus bestimmter Personen zuschrieb. Das, was man mir während meiner schulischen und universitären Ausbildung über Stalin und die Sowjetunion beigebracht hatte, war ein riesiges Lügengebäude, das für alle Zeiten zu erhalten künftig unsere Aufgabe sein sollte. Nach dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Februar 1956 erhielt ich von einem Romanisten, der mir Beiträge aus der polnischen Presse übersetzte, sowie von Paul Wiens die Geheimrede Nikita Chruschtschows über die Verbrechen Stalins. Meine Reaktion ist in meinen Staatssicherheitsakten nachzulesen: „K. behauptete, er habe kein Vertrauen mehr zur Partei und sie habe ihn belogen.“

Stellungnahme

Meine Assistentenzeit am Institut für Theorie und Praxis der Pressearbeit an der Universität Leipzig begann am 1.11.1955 und endete 1959 mit meiner Aufkündigung der wissenschaftlichen Laufbahn und dem endgültigen Bruch mit der herrschenden Ideologie. Über diese Zeit heißt es in den Staatssicherheitsakten u.a.: „Während seiner Zeit als Assistent zeigte sich, daß er öfters politische falsche Anschauungen vertrat, die letzten Endes revisionistischen Charakter trugen. Obwohl bekannt war, daß er besonders die ‚menschliche Seite‘ (Hervorh. v. mir. R.K.) in politischen Fragen immer wieder herausstellte…, wurden keine konsequenten Diskussionen mit ihm geführt… Ein großer Teil von Studenten, die K. als Assistent zu betreuen hatte, sah in ihm ein Vorbild. Ein guter Freund von K. ist der Student W. St…, parteilos. St…wurde…zur Arbeit in der Produktion vorgeschlagen… Die Studentin M.L… wurde von K. ebenfalls gefördert. Sie ist parteilos und konnte…auf Grund polit. Unreife noch nicht als Journalistin eingesetzt werden… Aus gleichen Gründen konnte auch der Student H.W… noch nicht eingesetzt werden. Auch dieser Student gehörte zu den sogenannten Kunzianern. Er ist ebenfalls parteilos. Aber auch Genossen Studenten ließen sich von K. sehr beeinflussen… Die SED-Kandidatin I.K… wollte z.B. aus der Partei austreten. Sie reichte bei uns die Exmatrikulation ein… Von den Studenten ist es besonders Ge[nosse] Pf…., mit dem wir nach den Auseinandersetzungen über sein Verhältnis zu K. jetzt grosse moralische Diskussionen haben, Parteistrafe ist für ihn beantragt – Zurückversetzung in den Kandidatenstand…

Stellungnahme

Auffallend bei all diesen Fragen ist, daß K. sehr viele persönliche Aussprachen mit seinen Studenten führte, z.B. auch in seiner Wohnung (….) In diesem Zusammenhang muß aber darauf hingewiesen werden, dass der Dekan stets…seine Hand über K. gehalten [hat] und damit die ganze Lage komplizierte. K. ist in seinen Augen ein Wissenschaftler, der außerordentliche Leistungen vollbringe und sich demzufolge auch etwas leisten könne.“ –

 

2009 schickte mir ein ehemaliger Student, mit dem ich seit über fünfzig Jahren keinen Kontakt mehr hatte, eines seiner Bücher und schrieb mir: „…ein Buch sende ich zu den sicherlich vielen vorhandenen Büchern. Es enthält auch den Moment, wo sich…unsere Wege kreuzten. 1956/57 hatten wir einen guten Lehrer an der Fakultät für Journalistik, er hieß Reiner Kunze. Noch bevor er aus eigenem Entschluß diese Universität verließ, wurde über mich im großen Saal der Anatomie (wie sinnbildhaft) Gericht gehalten… Das Urteil hieß Relegierung. Ich hatte mir aus der Sehnsucht heraus nach etwas mehr Welt Tramptouren gen Südeuropa erlaubt und italienische Lieder auf einigen Bühnen gesungen…“

Stellungnahme

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 24. August 1990 zitierte Wolf Biermann die Äußerung Helga M. Novaks, die an der Fakultät für Journalistik studiert, aber nicht meiner Seminargruppe angehört hatte, ich sei als Assistent ein „brutaler stalinistischer Einpeitscher“ gewesen. Anläßlich meines 80. Geburtstages wurde dieses Stigma als historische Tatsache in zahlreichen Medienbeiträgen erwähnt, und nun lese ich in einer Rezension des EKZ-Besprechungsdienstes für öffentliche Bibliotheken, in Udo Scheers Buch „Dichter sein“ (Mitteldeutscher Verlag Halle 2013) würden meine Jugendjahre als „überzeugter Stalinist“ rekonstruiert. Abgesehen davon, daß diese Behauptung dem Buch nicht gerecht wird, denn die von Udo Scheer recherchierten Fakten lassen den Schluß „überzeugter Stalinist“ nicht zu, verwahre ich mich dagegen, als ehemaliger Stalinist bezeichnet zu werden. Ich habe das politische System der DDR, das mir staatlicherseits bereits ab dem Kindesalter oktroyiert wurde, anfangs überzeugt vertreten und ideologisch zu rechtfertigen versucht – oft auch mir selbst gegenüber. Aber ich habe niemals ein stalinistisches Verbrechen oder stalinistische Methoden gerechtfertigt. In einem Artikel im „Tagesspiegel-online“ vom 10.8.2013 war zu lesen, Helga M. Novak habe in der „Gruppe 47“ Hans Werner Richter mit der Bemerkung irritiert, „‚die Kulaken seien von Stalin zu Recht umgebracht worden. Auf ein paar Millionen mehr oder weniger komme es ihr dabei nicht an.‘ (Richters Tagebuch 25.4.68).“ Ähnliches habe ich in meinem Leben nie geäußert, geschweige gedacht. Außerdem nehme ich für mich in Anspruch, daß mir Brutalität wesensfremd ist. Wäre dem nicht so, hätte ich die Bücher, die ich geschrieben habe, nicht schreiben können. (Korrektur eines versehentlichen Druckfehlers in o.g. Buch: Ich war niemals Mitglied einer Parteileitung.)

Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung

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Für eine Stätte der Zeit­zeugen­schaft und einen Ort des Schönen

Gefördert vom Kulturfonds Bayern, von der Friede Springer Stiftung, der Bay­e­rischen Spar­kassen­stiftung und der Sparkasse Passau

Stiftungsportrait

Die Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung

Eine Stätte der Zeitzeugenschaft und ein Ort des Schönen

Die Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung wurde 2006 gegründet, um sicherzustellen, daß die historisch relevanten Bild-,Ton-und Schriftdokumente, Werke der Bildenden Kunst und anderen zeitgeschichtlich belangvollen Materialien, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren im Umfeld der Bücher des Schriftstellers Reiner Kunze angesammelt haben, nicht verstreut werden oder verlorengehen, sondern nach dem Tod der Stifter in ihrem Wohnhaus, das in ein Ausstellungshaus umgewandelt wird, in Dauerausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dokumentiert werden soll der Hintergrund der Bücher, das Erlebte, aus dem die Bücher hervorgegangen sind. Die „Geschichten“ hinter den Geschichten sollen darin bestärken, totalitäre Gesellschaftsentwürfe abzulehnen, und zum Widerstand gegen ideologische Indoktrination ermutigen. Auch soll nachvollziehbar werden, woher die Kraft kam zu widerstehen. In denTagebüchern von Albert Camus heißt es: „Schönheit, neben der Freiheit meine größte Sorge.“ Die Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung gründet sich auf diese Doppelsorge.

Drei Phasen

Das Konstrukt der Stiftung sieht drei Entwicklungsphasen vor: die Phase zu Lebzeiten der Stifter, in der die inhaltlichen, organisatorischen, finanziellen und – soweit bereits möglich – baulichen Voraussetzungen für das Ausstellungshaus geschaffen werden, die Phase nach Ableben der Stifter, in der der Umbau vollendet und die erste Dauerausstellung eingerichtet wird, und die Phase, in der das Ausstellungshaus für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Bisher Erreichtes

Inhaltlich sind wir vorangekommen, indem wir den Bestand des Stiftungsarchivs gesichtet, nach historischer, literaturwissenschaftlicher und biographischer Bedeutung bewertet, teilweise kommentiert, geordnet und durch uns überlassene oder hinzuerworbene amtliche und private Dokumente, Kunstwerke, Briefwechsel, Zeitzeugenbriefe, Video-Filme, DVDs bzw. CDs und Bücher komplettiert und von November 2012 bis Februar 2013 erstmals zwischeninventarisiert haben. Ca. 5300 Einzel-, Teil- und Sammelobjekte wurden auf jeweils zwei Sticks, zwei DVDs bzw. CDs und zwei Festplatten erfaßt. Die Bild-und Tondokumente wurden z.T. technisch aufgefrischt.
Organisatorisch ist die Stiftung vorangekommen, indem sie sich durch eine amtlich genehmigte Neufassung der Satzung eine familienunabhängige Struktur gegeben hat und für den Stiftungsrat in den Bereichen Literaturwissenschaft, Ausstellungswesen und Finanzen kompetente Stiftungsratsmitglieder hinzugewinnen konnte.

In baulicher Hinsicht entstanden in einem einjährigen Prozeß, gefördert von der Sparkasse Passau, die Entwurfspläne für den Hausumbau, für den das vielfach preisgekrönte Architekturbüro Brückner & Brückner, Tirschenreuth und Würzburg, gewonnen werden konnte. Der erste Bauabschnitt (ca. 40% des Gesamtumbaus) wurde mit finanzieller Unterstützung des Kulturfonds Bayern 2012 verwirklicht. Außerdem wurde auf dem Stiftungsgelände ein traditioneller koreanischer Poesie-Pavillon errichtet, gestiftet von der koreanischen Germanistin, Dichterin und Übersetzerin Prof. Dr. Young-Ae Chon und Familie. Der Pavillon wurde nach einem berühmten historischen Vorbild in Seoul gebaut, zerlegt, per Schiffsfracht nach Bremerhaven und von dort nach Erlau gebracht, wo ihn unter dem Management der Spenderfamilie eigens eingeflogene koreanische Zimmerleute und Spezialdachdecker in zwei mehrwöchigen Bauabschnitten errichteten. Nach der Intention der Stifterin soll der Pavillon die Kraft der Poesie bezeugen, Kontinente miteinander zu verbinden, und mahnend an das gemeinsame Schicksal Koreas und Deutschlands erinnern – an Teilung und Diktatur.
Finanziell ist die Stiftung insofern vorangekommen, als das von uns eingebrachte Grundstockvermögen durch eine Reihe von besonders dankenswerten kleineren Zuwendungen und einer überaus
ermutigenden Zustiftung der Friede Springer Stiftung aufgestockt werden konnte.

Erschwerende Besonderheit

Die Vorstellung, etwas zu schaffen, dessen Ergebnis man nicht selbst erleben wird, ist nur wenigen Menschen zu vermitteln. Auch im Stiftungsrecht ist ein solches Vorhaben nicht explizit vorgesehen, was die Möglichkeit der Förderung meist auf Projekte beschränkt, deren Verwirklichung innerhalb einer vorgeschriebenen Frist nachgewiesen werden kann.

Aus Leidenschaft für die Freiheit

Der Ehrenpräsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und ehem. Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Dr. phil. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald, em. Professor für Neue Deutsche Literaturgeschichte an der Universität München, schrieb am 14. August 2012 an Reiner Kunze:“Wir wünschen Ihnen und Ihrer lieben Frau, dass Sie Ihr großes Projekt des ‚Ausstellungshauses‘ vorantreiben können und vielleicht sogar einen Mäzen finden, der es zu seinem eigenen Anliegen macht. Was Sie über die Ziele dieses Projektes…im Internet schreiben, ist nicht nur faszinierend, sondern in unserer vergesslichen Zeit zu bewahren und zu demonstrieren dringend notwendig.“ (Zitiert mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers.)

Um das bisher für die Stiftung Geleistete und künftig noch zu Leistende vollenden und die Stiftung zukunftsfest machen zu können, bedarf es noch einer entscheidenden Aufstockung des Vermögensstocks. Als Stifter, die im Hinblick auf den Einsatz ihrer Ersparnisse bis an die Grenze des Verantwortbaren gegangen sind und nicht mehr lange werden aktiv sein können, hoffen wir deshalb noch einmal auf Gleichgesinnte, wie wir in der DDR auf Gleichgesinnte gehofft haben – damals
wie heute aus Leidenschaft für die Freiheit. Wir sind für jede finanzielle Unterstützung und für jede Empfehlung, die der Stiftung eine Tür öffnet, dankbar. Jede Zuwendung wird schriftlich bestätigt und kann steuerlich geltend gemacht werden. Sollte sich eine Mäzenin oder ein Mäzen, sei es eine Person, eine Institution oder Firma, der Stiftung in einer Weise annehmen, daß ihre Zukunft aus heutiger Sicht finanziell als gesichert gelten kann, würden wir das Stiftungshaus nach der Zustifterin oder dem Zustifter benennen und ihren Namen in den Stiftungsnamen integrieren. Die Stiftung würde dann heißen „Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung im [XY]-Haus“.

Bankverbindung:
Sparkasse Passau
IBAN DE 977 405 0000 0030 290 738
BIC BYLADEM1PAS

Reiner Kunze

Stiftungsportrait

Haus und Außenanlagen der Reiner und Eilsabeth Kunze-Stiftung

Stiftungsgebäude

Das Stiftungshaus nach Abschluß des ersten Umbauabschnitts

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Blick auf den Pavillon von Westen

Hecke

Zweiundzwanzig Meter lange dornenlose Weißdornhecke

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Blick vom Pavillon ins Donautal

Stiftungsportrait

Haus und Aussenanlagen der Reiner und Elisabeth-Kunze Stiftung

Steinmauer

Trockenmauer mit Heckenkrone

Garten

Maimorgen

Pavillion

Koreanischer Poesie-Pavillon “Unterkunft des Reimes der Windglocke” von Süden

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Blick auf das Stiftungsgelände im Osten

Stiftungsportrait

Blick in Sammlung und Archiv

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Gerhard Altenbourg (1926-1989): „Dreiergruppe, zwei davon nackthungrig“. Farbholzschnitt 1970. 2/65

Halt mich! Für Elisabeth und Reiner Kunze

Klaus Hirsch (geb. 1941):“Halt mich! Für Elisabeth und Reiner Kunze“. Lithographie 2002

Ohne Titel

Fritz Koenig (geb. 1924): Ohne Titel. Packpapier, geschnitten und gefaltet

Laufender Affe

Heinz Theuerjahr (1913-1991): „Laufender Affe“. Bronze 1962

Erwin Chargaff

Christine Rieck-Sonntag (geb. 1941): Erwin Chargaff. Öl auf Collage, 2002

Mann, der sich vor Schmerz in die eigene Hand beißt

Johann-Peter Hinz (1941-2007), Halberstadt: Petschaft (mit den Initialen „RK“ in der Handschrift von Reiner Kunze) „Mann, der sich vor Schmerz in die eigene Hand beißt“. Getropftes Metall 1977

Stiftungsportrait

Blick in Sammlung und Archiv

Die Bringer Beethovens

HAP Grieshaber (1909-1989): Die Bringer Beethovens. Holzschnitte

Sensible Wege

Horst Sauerbruch (geb. 1941):“Sensible Wege“, Aquarell 1996

Blue
Roger Dérieux, Frankreich (geb. 1922):“Blue“. Collage peinture 1998
gesperrte Strasse

Alfred Kubin (1877-1959), Österreich: „gesperrte Strasse“. Lithographie

Archiv

Wunderbare Jahre 1

„Vielleicht erinnern Sie sich, …daß ich Ihnen sagte, daß ich die ‚Wunderbahren Jahre‘ damals abfotografierte und unter Freunden verbreitete. Vor einigen Tagen erhielt ich die Filme – ich wußte nicht mehr, wem ich sie vor unserer Ausreise aus der DDR anvertraut hatte – bei einem Besuch zurück.“ Dr. H,.D. W., 18.8.1993

Wunderbare Jahre 2

Von zwei aufgebogenen Schlüsselringen zusammengehaltenes vollständiges Exemplar der „Wunderbaren Jahre“ in abfotografierten Seiten

Stiftungsportrait

Das Stifterehepaar

Reiner und Elisabeth Kunze

Dr. Elisabeth Kunze, geb. Mifka, kam 1933 in Znaim (Südmähren/Tschechien) zur Welt. Die Mutter war eine in Wien geborene Tschechin, der Vater Deutscher. Von Beruf Feinmechaniker, eröffnete er ein Schreib- und Nähmaschinengeschäft. Die Tochter wuchs zweisprachig auf, zu Hause sprach man aber deutsch. Nach dem Studium der Medizin und Zahnmedizin in Prag und Olmütz war Dr. Elisabeth Kunze u.a. auf der kieferchirurgischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Aussig an der Elbe tätig. Später arbeitete sie in Greiz/Thüringen als Kieferorthopädin, und nach Übersiedlung der Familie in die Bundesrepublik Deutschland 1977 gründete Dr. Elisabeth Kunze in Passau eine eigene kieferorthopädiche Praxis. Die Eheschließung mit Reiner Kunze fand 1961 in Aussig statt. Ihre Kinder Ludwig und Marcela stammen jeweils aus erster Ehe. Das Ehepaar Kunze wohnt an der Donau in Obernzell-Erlau.

Reiner Kunze wurde 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge geboren. Sein Vater war ein Steinkohlenbergmann. Kunze studierte an der Leipziger Universität Philosophie und Journalistik und war anschließend vier Jahre als wissenschaftlicher Assistent mit Lehrauftrag tätig. 1959 brach er aus politischen Gründen die Universitätslaufbahn ab und arbeitete u.a. als Hilfsschlosser im Schwermaschinenbau. Seit 1962 ist Reiner Kunze freiberuflicher Schriftsteller. Nach seinem Ausschluß aus dem Schriftstellerverband der DDR 1976 und der Androhung einer hohen Haftstrafe wurde ihm und seiner Familie die Ausreise gestattet, da der Staatsspitze nicht an einem Prozeß gelegen war, der dem Ansehen der DDR hätte schaden können. 1988/89 nahm Kunze Gastdozenturen für Poetik an den Universitäten München und Würzburg wahr.

Stiftungsportrait

Die Mitglieder des Stiftungsrates

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Dionys Asenkerschbaumer

Geboren 1955. Theologischer Referent für Kommunikation im Bischöflichen Ordinariat Passau. Freischaffender Mediengestalter und Fotograf. Wohnhaft in Kellberg, Landkreis Passau. 2008 Berufung in den Stiftungsrat.

Auf dem Hintergrund meiner vielfältigen Beziehungen zu Künstlern und Persönlichkeiten des Kulturlebens möchte ich im Sinne des Ausstellungskonzeptes „Der Wahrheit Anerkennung und des Schönen Rang“ mithelfen, daß aus dem Haus von Elisabeth und Reiner Kunze in Erlau eine „Stätte der Zeitzeugenschaft und ein Ort des Schönen“ werden kann.

Renate Braun, Sparkassendirektorin i.R.

46 Berufsjahre in der deutschen Sparkassenorganisation, davon fast 25 Jahre Vorstandsmitglied zweier Sparkassen, mit Finanzen vertraut und der Literatur zugetan. Wohnhaft in Passau. 2013 Berufung in den Stiftungsrat auf Lebenszeit.

Mich bewegt die Lebensgeschichte des Ehepaares Reiner und Elisabeth Kunze in der DDR, vor allem ihr stiller und von den Machthabern umso mehr gefürchteter Widerstand gegen das diktatorische Regime. Mit der Stiftung wollen die Stifter dazu beitragen, totalitäre Gesellschaftsentwürfe zu erkennnen, und vor ihnen warnen. Ich bin in der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen, konnte mein Leben entfalten und meine Meinung frei äußern. Mit meinem Einsatz für die Stiftung möchte ich diese Freiheit bewahren helfen. Der von den Stiftern geschaffene Ort des Schönen verleiht dafür zusätzliche Kraft.

Hans Dorfner, Altlandrat

Geboren 1942. Ausbildung als Landwirt mit Abschluß der Tierzucht-und Landwirtschaftsschule Rotthalmünster. Fachschulreife als einer der ersten Teilnehmer des Telekollegs des
Bayerischen Rundfunks. 1972-1990 Bürgermeister der Gemeinde Kirchham. 1990-2008 Landrat des Landkreises Passau. 1991-2011 Präsident des Verbandes der Bayerischen Sing- und Musikschulen.

Auszeichnungen: Bundesverdienstkreuz, Bayerischer Verdienstorden, goldenes Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich und Ehrenring des Landkreises Passau; Ehrenbürger der Stadt Vilshofen, der Gemeinde Kirchham und der Universität Passau. Besondere Herausforderung in der Zeit als Landrat: Organisation der Aufnahme von über 6000 DDR-Flüchtlingen in Sadt und Landkreise Passau. 2008 Berufung in den Stiftungsrat, Stiftungsratsvorsitzender.

Als große Ehre und Auszeichnung empfand ich es, als mich Reiner Kunze bat, Mitglied des Stiftungsrates der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung zu werden. Es ist eine hervorragende Idee, diese Stätte der Zeitzeugenschaft zu schaffen, die zugleich ein Ort des Schönen werden soll. Die Werke Reiner Kunzes haben die Friedliche Revolution in der DDR auf einzigartige Weise mit vorbereitet und vielen Menschen über Jahrzehnte Kraft gegeben. Deshalb bin ich gern bereit, mich weiterhin für die Stiftung einzusetzen. Sie wird der Verteidigung der Freiheit dienen. Außderm ist es mir ein Bedürfnis, dem Stifterehepaar meine besondere Wertschätzung und Achtung zu erweisen..

Dr. phil. Heiner Feldkamp

Geboren 1953. Studium der Germanistik und Katholischen Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1990 Promotion bei Professor Wolfgang Frühwald mit einer Arbeit über das Werk Reiner Kunzes. Gymnasiallehrer für Deutsch und Katholische Religionslehre, OstR. Wohnhaft in Landshut. 2013 Berufung in den Stiftungsrat.

Ich möchte dazu beitragen, dass das Werk Reiner Kunzes nicht nur wegen seines literarischen Ranges, sondern auch wegen seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung das sein kann, was es für mich seit vierzig Jahren ist: eine existentielle Bereicherung durch die Schönheit des poetischen Bildes und eine Schärfung des politischen Bewußtseins durch die Widerstandskraft des dichterischen Wortes.

Dr. phil. Winfried Helm

Geboren 1961. Freiberuflicher Kulturwissenschaftler, der vornehmlich an Konzeption und Umsetzung von Museen und Ausstellungen arbeitet. Wohnhaft in Passau. 2013 Berufung in den Stiftungsrat.

Ich engagiere mich als Stiftungsrat, weil ich die Stifter in ihrer Glaubwürdigkeit schätze und mag, das Stiftungsziel notwendig finde und mit dafür sorgen möchte, dass dieser Ort in seiner einmaligen Qualität als ganzheitliches und authentisches Dokument der Zeitgeschichte erhalten bleibt und wirken kann.

Felix Wintsch

Geboren 1977. Ausbildung zum Altenpfleger, Fortbildung im sozialen und sozialmedizinischen Bereich. Leiter Qualitätsmanagement, Mitglied der Erweiterten Unternehmensleitung der privaten Schweizer Wohn- und Pflegeheimgruppe SENIOcare. Enkel und designierter Nachfolger der Stifter mit beratender Funktion im Stiftungsrat.

Ich hatte das Glück, sorglos und in selbstverständlicher Freiheit aufzuwachsen. Meinen Großeltern war diese Freiheit jahrzehntelang nicht vergönnt. Ihre Lebensgeschichte ist mir Mahnung, Hoffnungsschimmer und Motivation zugleich. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Widerstand meiner Großeltern gegen geistige Unterdrückung und ihre Warnung vor totalitären Bestrebungen in die Zukunft wirken können.

Fotos: Dionys Asenkerschbaumer

Aus unserer Arbeit

ScanAnläßlich des zehnjährigen Bestehens der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung fand auf Initiative des Stiftungsrates am 5. Juni 2016 im Großen Rathaussaal in Passau eine Konzertlesung statt. Julia Johanna Duscher, Sopran, am Flügel begleitet von Elmar Slama, und die Schülerinnen und Schüler der Klavierklasse Elmar Slama des Gymnasiums Freudenhain, Lena Appel, Elena Breinfalk, Ludwig Rüther und Max Tien Fat Do boten Werke von Johann Sebastian Bach, Béla Bartók, Johannes Brahms, Fréderic Chopin, Joseph Haydn und Franz Schubert dar. Reiner Kunze las Texte zur Musik. Die Jubiläumsworte sprachen Altlandrat Hanns Dorfner und Felix Wintsch, Enkel der Stifter.
In seinem Bericht, betitelt „Von Schönheit und Freiheit“, schrieb Wolfgang Lampelsdorfer in der Passauer Neuen Presse u.a.:“In einer Matinee haben Freunde, Weggefährten, Literatur- und Musikliebhaber…das zehnjährige Bestehen der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung gefeiert, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit Kunst und Dokumenten gegen alle Art ideologischer Verblendung einzustehen. Eilig waren Zusatzstühle angebaut worden, so groß war das Interesse an diesem Vormittag… Altlandrat Hanns Dorfner, Vorsitzender des Stiftungsrats, verwies darauf, dass inzwischen die DDR bereits…wieder glorifiziert werde. Umso wichtiger sei es, die Wahrheit zu archivieren und totalitären Tendenzen entgegenzutreten… Bewegend, weil zutiefst persönlich, waren die Dankesworte von Felix Wintsch an den Großvater als Menschen, der ihm mit Weisheit und Lebenserfahrung geholfen habe, den richtigen Weg zu finden. ‚Freiheit ist ein Wert, den zu verteidigen es mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln lohnt‘, dies hätten ihm seine Großeltern vermittelt… Fein abgestimmt auf die ‚musikalische‘ Lyrik und Prosa hatten Elmar Slama und seine Klavierschüler ihr Programm, das die Besucher, unter ihnen Bürgermeisterin Erika Träger, LTd. Regierungsdirektor Klaus Froschhammer, Regierungspräsident Heinz Grunwald, Uni-Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirt sowie der frühere Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier, mit viel Beifall würdigten… Kraftvoll-virtuos setzte Max Tien Fat Do mit Chopins Scherzo Nr. 2 den Schlussakkord unter einen Vormittag, der die Vision der Stifter von einem ‚Ort des Schönen‘ in Wort und Musik Gestalt annehmen ließ.“

Altlandrat Hanns Dorfner während der Jubiläumsansprache

Altlandrat Hanns Dorfner während der Jubiläumsansprache


Felix Wintsch, Enkel der Stifter, während seines Dankwortes

Felix Wintsch, Enkel der Stifter, während seines Dankwortes


Reiner Kunze: Texte zur Musik

Reiner Kunze: Texte zur Musik


Julia Johanna Duscher, Elmar Slama

Julia Johanna Duscher, Elmar Slama


Von l. nach r.: Altlandrat Hanns Dorfner, Reiner Kunze, Dr. Elisabeth Kunze, Max Tien Fat Do, Ludwig Rüther, Lena Appel, Elena Breinfalk, Julia Johanna Duscher und Elmar Slama

Von l. nach r.: Altlandrat Hanns Dorfner, Reiner Kunze, Dr. Elisabeth Kunze, Max Tien Fat Do, Ludwig Rüther, Lena Appel, Elena Breinfalk, Julia Johanna Duscher und Elmar Slama


Schlußbeifall für den Stiftungsratsvorsitzenden seit Gründung der Stiftung. In der ersten Reihe von r. nach l.: Barbara und Felix Wintsch, Beat Ammann (Basel), Prof. Dr. Young-Ae Chon (Seoul), Frau Dorfner; in der zweiten Reihe neben dem leeren Stuhl ihres fotografierenden Mannes Frau Asenkerschbaumer

Schlußbeifall für den Stiftungsratsvorsitzenden seit Gründung der Stiftung. In der ersten Reihe von r. nach l.: Barbara und Felix Wintsch, Beat Ammann (Basel), Prof. Dr. Young-Ae Chon (Seoul), Frau Dorfner; in der zweiten Reihe neben dem leeren Stuhl ihres fotografierenden Mannes Frau Asenkerschbaumer


Stiftungsratsmitglied Renate Braun lädt zu Gesprächen bei kleinen lukullischen Freuden ein.

Stiftungsratsmitglied Renate Braun lädt zu Gesprächen bei kleinen lukullischen Freuden ein.


Stifterin und Enkel

Stifterin und Enkel


Stiftungsratsmitglied Dr. Heiner Feldkamp und Gattin, Stiftungsratsmitglied Dr. Winfried Helm

Stiftungsratsmitglied Dr. Heiner Feldkamp und Gattin, Stiftungsratsmitglied Dr. Winfried Helm


Die schöne Pflicht

Die schöne Pflicht


Hochverehrter Freund und Förderer seit über vierzig Jahren: Prof. Dr. Hans Maier

Hochverehrter Freund und Förderer seit über vierzig Jahren: Prof. Dr. Hans Maier

Fotos: Dionys Asenkerschbaumer

Aus unserer Arbeit

Medienstimmen anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung (Auszüge)

Christian Eger in der „Frankfurter Rundschau“ vom 15. Juni 2016 unter dem Titel „Mitten in der Geschichte“:

Dass sich Schriftsteller um ihren Nachlass sorgen, ist die Regel. Dass diese Sorge in ein haltbares öffentliches Projekt mündet, die Ausnahme. Ein allgemeines zeitgeschichtliches Interesse hilft dabei. Walter Kempowski gestaltete seinen Wohnsitz im niedersächsischen Nartum in ein Dichterhaus samt Begegnungsstätte um. Die Kulturstiftung Lübeck gründete 2002 ein Günter-Grass-Haus als Forschungsstätte zum Werk des Nobelpreisträgers.
Reiner Kunze wählt einen dritten Weg. Kein Dichterhaus, kein Begegnungsort, sondern eine in einem Ausstellungshaus untergebrachte zeithistorische Dokumentationsstätte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth gründete der Schriftsteller eine Stiftung, die nach ihrem Tod in ihrem Wohnhaus eine „Stätte der Zeitzeugenschaft“ und einen „Ort des Schönen“ einrichten soll. Um ost-west-deutsche Zeitzeugenschaft geht es dem Dichter der „sensiblen wege“. Und um das Schöne, aus dem er Kraft zog. Aus Kunst, Musik, Natur… Befürchtet er nicht, dass das Haus zu weit ab liegen könnte? „Selbst wenn ich die Befürchtung hätte: Hier sind die Bücher entstanden“, sagt Reiner Kunze. „Die Leser kommen hierher.“ Und wer sich fragt, warum das Haus eines im Osten geborenen Dichters am Südzipfel Deutschlands steht, ist schon mitten in der Geschichte.

(Der Beitrag von Christian Eger erschien ebenfalls  in der „Mitteldeutschen Zeitung“, Halle/Saale, und in der „Berliner Zeitung“.)

Raimund Meisenberger in der „Passauer Neuen Presse“ vom 4. Juni 2016:

Kein Museum also. Sondern ein „Ausstellungshaus“ soll das Domizil der Kunzes werden… „Wenn wir einmal – also ziemlich bald – nicht mehr auf der Welt sein werden“, sagt Kunze, „dann werden diejenigen, die die erste Dauerausstellung einrichten, bis ins Detail vorbereitetes und dokumentiertes Ausstellungsmaterial vorfinden.“…
Der Ursprung
Die Stiftung ergab sich aus der Frage:“Was wird, wenn wir tot sind, aus all den Dokumenten und Kunstwerken, die bezeugen, was wir im gespaltenen und wiedervereinten Deutschland erlebt haben – und was relevant ist für die gesamte jüngste Vergangenheit in Deutschland.“ Auf Anraten der Anwältin wurde die Stiftung gegründet. Das gesamte Material soll im Haus verbleiben und in wechselnden Dauerausstellungen präsentiert werden.
Das Ziel
Ziel der Stiftung ist die Immunisierung gegen jede Art ideologischer Verblendung. „Das ist der Kernsatz“, sagt Reiner Kunze. „Keine Ideologie, sondern Tatsachen. Keine Propaganda, sondern Tatsachen. Unwiderlegbare Dokumente und Kunstwerke. Das klingt pathetisch, ist es aber nicht: Ohne das Schöne kann der Mensch nicht existieren. Wenn ein Kunstwerk gelungen ist, dann gibt uns das Kraft. Das sollen die Menschen spüren, die hierher kommen.“
Das Geld
Noch reicht das Vermögen nicht aus, um die Stiftung zukunftssicher zu machen…“Wenn wir Leute anstellen müssen und den jährlichen Betrieb und den Sockel bedenken, den wir nicht anrühren dürfen, brauchen wir drei bis vier Millionen Euro. Und die haben wir noch nicht.“ Findet sich jemand, der eine Million in die Stiftung einbringt, dann wird dessen Name in den Namen der Stiftung und des Hauses aufgenommen. „Das könnte dann heißen: „Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung im Fritz-Müller-Haus.“…
Das Haus
Ihr Wohnhaus haben Reiner und Elisabeth Kunze bereits heute so weit zu einem Ausstellungshaus umgebaut, „dass wir noch darin leben können.“ So wurde u.a. ein offener Balkon geschlossen, damit ein vollständiger Rundgang über zwei Etagen möglich wird. Fenster, Mauern, Türen wurden nach Plänen des Architekturbüros Brückner & Brückner in Tirschenreuth angepaßt, eine Wetterstation sorgt dafür, daß sich die Jalousien schließen, wenn Exponate unter der Sonne leiden würden. „Ich danke dem bayerischen Staat, der mit fast vierzigtausend Euro geholfen hat. Und ich danke meiner Frau, die sechs Monate in einer Baustelle gelebt hat.“
Die Objekte
„…Aber wir haben noch viel vor und viel zu arbeiten.“ Bei einer ersten Inventarisierung 2012 wurden 5000 Objekte – einzelne Seiten und Sammelobjekte – erfasst. Dazu zählen Bücher, Briefe, Unterlagen der Staatssicherheit, liebevoll verzierte Briefumschläge an die Tochter im Lungensanatorium. Vom ersten Gedanken an das Buch bis zum Erscheinen, und Verbotenwerden, lagert das komplette Schicksal etwa von Reiner Kunzes Kinderbuch „Der Löwe Leopold“ in…Mappen. Versehen mit Erinnerungen, Erläuterungen und Hinweisen, in welchem Fach welches Dokument dazu zu finden ist – eine gewaltige Arbeit. Zu den Objekten gehört zudem die Kunstsammlung des Ehepaares. „An die 100 Bilder hängen schon jetzt im Haus, und es gibt noch einige mehr.“

Niels Beintker in der Sendung „Kulturjournal“ des Bayerischen Rundfunks, BR 2, am 5. Juni 2016:

Korea ist hier, am breiten Fluß, denkbar weit entfernt – und doch wieder nicht. Korea, wenigstens ein winziges Stück, liegt am Hang der Donau in Niederbayern, in Erlau, zwischen flachen Walmdächern, Hecken und Bäumen. Oder besser: Es steht. Ein Pavillon aus Kiefernholz, das Dach kühn geschwungen, die Keramik-Schindeln dunkel.
Reiner Kunze:“Vor 150 Jahren hat sich ein koreanischer Kronprinz diese Art Pavillon in eine Ecke des königlichen Gartens bauen lassen. Er hat darin Gedichte geschrieben, Musik gemacht.“ Das kleine Haus – eine originalgetreue, sorgsam gefertigte Replik – steht im Garten des Hauses von Elisabeth und Reiner Kunze, bei der großen Linde, über die der Lyriker etliche Gedichte schrieb. Der Pavillon, ein Pavillon der Poesie, ist ein Geschenk von Reiner Kunzes koreanischer Übersetzerin Young-Ae Chon. Sie lehrt, als Professorin, Germanistik an der Nationaluniversität in Seoul…und ist selbst Dichterin… Korea ist heute bekanntlich ein zerrissenes Land. Der Kalte Krieg wütet dort noch immer, das Land ist geteilt und durchzogen von einer unüberwindbaren Mauer, hier eine Demokratie, da die Diktatur, unversöhnliche Gegensätze. Eine Situation, die an die deutsche Teilung erinnert, an die glücklicherweise überwundene historische Epoche, die Reiner Kunze schreibend ergründet, begleitet und immer wieder kommentiert hat. Der koreanische Pavillon – er trägt den Namen „Unterkunft des Reimes der Windglocke“ – wie überhaupt der Garten und das Haus von Reiner Kunze und seiner Frau Elisabeth sollen in nicht allzu ferner Zukunft auch an diese Ära erinnern…
Es geht Reiner Kunze und seiner Frau nicht um die museale Präsentation des eigenen Werkes. Es geht ihnen beiden um die Auseinandersetzung mit den Geschichten hinter den Büchern, die Reiner Kunze geschrieben hat… Reiner Kunze: „Mich besuchte 1975 ein Ingenieur aus Eisenhüttenstatt. Man musste aufpassen, wer kam. Aber er war ein wirklicher Leser und setzte sich mit der Literatur kritisch auseinander… Nach dem Besuch schrieb er mir viele Briefe. Er erleichterte sich damit die Seele.“ Reiner Kunze sagt, er habe den Briefpartner gefragt, ob er sich sicher sei, daß die beiden die einzigen Leser der Korrespondenz seien. Die Antwort: Da wäre er froh, wenn mitgelesen würde, damit die oben endlich einmal begreifen, was unten los ist. Reiner Kunze: „Wir verließen die DDR 1977. Kurze Zeit später wurde dieser Mann verhaftet und wegen DDR-Hetze in seinen Briefen an mich und in Äußerungen, die er in Tagebüchern getan hat,…zu sechs Jahren Haft verurteilt. Als wir hier in der Bundesrepublik davon erfuhren, haben wir ein Anwaltsbüro in Berlin beauftragt, sich um diesen Fall zu kümmern…“ Der Ingenieur wurde von der Bundesregierung „freigekauft“, wie das damals hieß. Er durfte die DDR verlassen. Diese und viele andere Geschichten liegen hier, sie gehören etwa zu den Gedichtbänden „sensible wege“ und „zimmerlautstärke“, ebenso zu dem Prosaband „Die wunderbaren Jahre“, erschienen im Herbst 1976, vor 40 Jahren. Eine nüchtern wirkende und gerade deshalb so präzise Anatomie des Alltags in der Diktatur, Erzählungen über den Umgang mit Menschen, die auf ihrer eigenen Meinung beharren, nicht das annehmen wollen, was ihnen täglich verkündet und vorgebetet wird. Wer wissen will, was es hieß, in der DDR zu leben, lese diese Sammlung von Geschichten – eine Sammlung, deren Veröffentlichung zum Ausschluß des Autors aus dem Schriftstellerverband der DDR führte. Reiner Kunze spricht beinahe entschuldigend davon, dass es seine Bücher seien, die zu den Geschichten, zu den Schicksalen der Leser führen. Keine Eitelkeit, sondern glaubhaft.

Blick ins Gästealbum

Ingenieur und Fotograf Tae-Hong Chon und seine Schwester, die Dichterin und Übersetzerin Prof. Dr. Young-Ae Chon

Von links: Ingenieur und Fotograf Tae-Hong Chon und seine Schwester, die Dichterin und Übersetzerin Prof. Dr. Young-Ae Chon, Stifter des koreanischen Poesie-Pavillons, sowie die Künstlerin Sun-Young Chon, Korea

Mit dem Dichter und Übersetzer Jakub Ekier, Polen

Mit dem Dichter und Übersetzer Jakub Ekier, Polen

Mit dem Maler und Graphiker Karel Franta und Gattin, Tschechien

Mit dem Maler und Graphiker Karel Franta und Gattin, Tschechien

Mit der Dichterin und Übersetzerin Mireille Gansel, Frankreich, und dem Schriftsteller Ralph Giordano

Mit der Dichterin und Übersetzerin Mireille Gansel, Frankreich, und dem Schriftsteller Ralph Giordano

Mit Bischof Dr. Egon Kapellari, Österreich

Mit Bischof Dr. Egon Kapellari, Österreich

Mit dem Schriftsteller und Publizisten Marko Martin

Mit dem Schriftsteller und Publizisten Marko Martin

Blick ins Gästealbum

Mit dem Autor und Übersetzer Prof. Dr. Petro Rychlo, Ukraine

Mit dem Autor und Übersetzer Prof. Dr. Petro Rychlo, Ukraine

Mit Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler und Gattin

Mit Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler und Gattin

Bild_005_gr  Mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihrem Gatten, Prof. Dr. Joachim Sauer

Mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihrem Gatten, Prof. Dr. Joachim Sauer

Bild_002_gr  Mit dem Dichter und Übersetzer Marian Nakitsch, Kroatien/Deutschland

Mit dem Dichter und Übersetzer Marian Nakitsch, Kroatien/Deutschland

Mit Bundesfinanzminister a.D. Dr. Theo Waigel und Dr. Irene Epple-Waigel

Mit Bundesfinanzminister a.D. Dr. Theo Waigel und Dr. Irene Epple-Waigel

Pressestimmen

Reiner Kunze…baut gemeinsam mit seiner Frau seinen Wohnsitz zu einer „Zeitzeugenstätte“ aus…Denn Zeitzeugen sind der 1933 im erzgebirgischen Oelsnitz geborene und 1977 von Ost nach West vertriebene Schriftsteller und seine aus Mähren stammende Frau in hohem Maße. So lebendig und auflagenstark wie kein zweiter deutschsprachiger Dichter seiner Generation hat der Sohn eines Bergarbeiters in die ost-west-deutsche Literaturwelt hineingewirkt… Kunzes 1973 im Reclam-Verlag in Leipzig veröffentlichte Gedichtauswahl „Brief mit blauem Siegel“ war die wahrscheinlich erfolgreichste Lyrik-Edition eines Autors in der DDR überhaupt. In zwei nicht beworbenen, aber sofort vergriffenen Auflagen von jeweils 15 000 (!) Exemplaren ging das Buch hinaus. Danach war Schluss für Kunze. So wanderten im Osten die Gedichte des bis 1977 im ostthüringischen Greiz ansässigen Autors als Schreibmaschinen-Abschriften von Hand zu Hand. Genauso wie sein 1976 im Westen verlegter Prosaband „Die wunderbaren Jahre“: ein so eindrückliches wie keinesfalls auftrumpfendes Bild einer auswegslosen Jugend in der DDR. Ein Buch, das – erhellend und anrührend bis heute – Literatur-und Zeitgeschichte schrieb… Zeitzeugenschaft also, erlebt und festgehalten in einer Literatur, die nicht in einem parteilichen Sinn als „politisch“ zu begreifen ist. Eine Literatur, die auf Erfahrung und Reflexion setzt und somit ihrerseits auch Zeugnis ablegt… Der Schriftsteller…wirbt und sammelt für die Stiftung, die einzigartig ist in ihrem Auftrag. Er hofft sehr, dass es gelingt, den Kapitalstock auf die notwendige Höhe zu bringen. Das braucht Zeit. Und Partner. Aber keine Gründemehr.

Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung

Was Kunze…wirklich empört, ist, dass es heute noch Menschen gibt, und es sind nicht wenige, die sich ihre „schöne DDR“ im Nachhinein und entgegen aller historischen Wahrheit nicht wegargumentieren lassen. Nur zwei Beispiele über die Parteipolitik hinaus: sowohl bei einer Wiedervereinigungsrede von Kunze in Erfurt 2004 wie [bei einer Lesung]
in Berlin 2009 gab es teils starke Proteste, als er Details der Demagogie schilderte, die ihm das Leben oft „verschattet“ hatten. Unter anderem daraus hat der Dichter die Konsequenz gezogen, gerade die…Belege für Willkür und Despotie lückenlos zusammenzustellen. Geordnet, wie alles vor Ort, ruhen über 5000 Dokumente in gelben und grünen Mappen und sind größtenteils zwischeninventarisiert und digital gespeichert:           Stasi-Akten, Briefwechsel, Videos, Tondokumente. Wenn Kunzes, ein fast symbiotisches Paar, einmal nicht mehr sind („Der eine wird noch eine zeitlang/weiterleben müssen//Am schlimmsten
wird es sein/in zügen//Zwischen zielen/ohne liebe“ heißt es in dem Gedicht „Zugfahrt“), kann die Stiftung auf fast unendlich viel Material zurückgreifen. Es wird dann, wer die deutsch-deutsche Historie nicht „wegschweigen“ (Kunze) will, was der Dichter manchmal befürchtet, vom Einzelnen auf das Ganze schließen können.

Mirko Weber, Stuttgarter Zeitung

Pressestimmen

Vermutlich gibt es nur wenige Menschen, die die Zeit nach ihrem Tod so exakt planen wie Reiner Kunze und seine Frau Elisabeth. Erst werde das Wohnhaus „ausgekunzt“, sagt der Dichter, und dann in eine „Stätte der Zeitzeugenschaft und einen Ort des Schönen“ umgewandelt. Letzteres ist nicht so schwierig, denn schön ist es bereits jetzt in dem Haus mit den vielen Kunstwerken, das hoch über der Donau an einem Waldrand in Erlau ganz in der Nähe von Passau liegt. 37 Jahre leben Kunzes hier. Seit zehn Jahren planen und arbeiten die beiden 81-Jährigen für eine Zeit, die sie nicht erleben werden. Sie haben für ihr Ziel sogar monatelang auf einer Baustelle gelebt, während ihr Haus auf seine künftige Aufgabe vorbereitet wurde.
Natürlich wird es kein Kunze-Mausoleum werden, in dem der Besucher auf den Spuren des Dichters wandelt und dessen Schreibmaschine und Teetasse anhimmelt. „So primitiv bin ich nicht.“ Geplant ist ein Angebot an die Nachgeborenen, das ihnen hilft, die jüngere Geschichte Deutschlands zu verstehen. Denn die meisten, sagt Kunze, wüssten ziemlich wenig darüber, egal ob sie im Osten oder Westen groß wurden. Da Nichtwissen es verhindert, Gegenwart und Zukunft richtig einzuschätzen, braucht es eine Stätte, die immun macht gegen falsche Nostalgie, gegen das „Wegschweigen“ dessen, was gewesen ist… 2006 haben sie ihre Stiftung gegründet… Wie viel Arbeit, Zeit und Lebenskraft sie in das Projekt stecken würden, war ihnen da noch nicht klar… Inzwischen haben sie all ihr Vermögen, alle Preisgelder in die Stiftung investiert, Haus und Grundstücke gehören ihr ebenfalls… So viel Kapital ist bereits vorhanden, dass das Ausstellungshaus auf bescheidenem Niveau funktionieren und zu bestimmten Zeiten geöffnet sein könnte. Aber zukunftssicher ist das noch nicht. Deshalb suchen die Kunzes weiter nach Kapitalgebern. Eine mühselige Angelegenheit. Eine Serie von Demütigungen hätten sie hinnehmen müssen, sagt Kunze. Dafür aber reagierten andere unerwartet positiv und großzügig… „Wenn ich noch 20 Jahre leben würde, wäre das nicht schlecht“, sagt Reiner Kunze und lacht. Es ist noch so viel zu leisten.

Sabine Reithmaier, Süddeutsche Zeitung

Impressum

Blick vom Stiftungshaus, Donaumorgen

Blick vom Stiftungshaus, Donaumorgen

Impressum

Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung
Am Sonnenhang 19, D-94130 Obernzell-Erlau
Telefon: + 49 (0) 8591/2989

Die Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung ist eine öffentliche, gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Mitglied im Bundesverband deutscher Stiftungen.

www.reiner-kunze.com

Keine Antragsmöglichkeit. Stiftungshaus und
Außenanlagen sind noch nicht öffentlich zugänglich.

Bankverbindung:
Sparkasse Passau
IBAN: DE97 7405 0000 0030 2907 38
BIC: BYLADEM1PAS

Stiftungslogo: m.j., Titel-Graphik des 1987 in einem Warschauer Untergrundverlag erschienenen Gedichtbandes „NOKTURN“
Fotos: Jürgen Bauer („Stifterehepaar“), Elisabeth Kunze, Reiner Kunze

IMG124_gr  Blick vom Stiftungshaus, Donauhänge flußabwärts

Blick vom Stiftungshaus, Donauhänge flußabwärts

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