Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung: Reiner Kunze - Schriftsteller
Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung
Widerständig über den Tod hinaus
Gespräch mit Reiner Kunze
Im Mai dieses Jahres wurde zum ersten Mal der von Ihrer Geburtsstadt Oelsnitz, dem Sächsischen Schriftstellerverband und der Sparkasse Erzgebirge ausgelobte Reiner-Kunze-Preis vergeben. Es ist in der deutschsprachigen Literaturlandschaft eher ungewöhnlich, daß ein Preis zu Lebzeiten eines Autors unter dessen Namen an andere Autoren vergeben wird; Sie selbst waren nicht gerade erfreut über die an sich wunderbare Idee. Aus welchen Gründen haben Sie dem Vorschlag nach längerem Überlegen doch zugestimmt?
Ich war nicht nur "nicht gerade erfreut", sondern habe den Vorschlag abgelehnt, denn ich hätte vor Scham nicht mehr die Augen heben können, wäre einer meiner Kolleginnen oder einem meiner Kollegen zugemutet worden, einen Reiner-Kunze-Preis anzunehmen. Der Bürgermeister, Hans-Ludwig-Richter, ein verdienstvoller, ja geradezu erstaunlicher Mann, dem die ehemalige Steinkohlenbergbaustadt viel verdankt, bedauerte die Ablehnung, und damit war die Angelegenheit für mich vom Tisch. Doch nach einiger Zeit meldete sich der Kulturbeauftragte der Stadt, Holger Wendland, ebenso umtriebig und ideensprühend wie der Bürgermeister, in dieser Sache von neuem.